15.12.2020 / Artikel / /

Fraktionserklärung zur aktuellen Lage im Gesundheitswesen und der Pflege

Seit Wochen verzeichnen wir einen sehr hohen Anteil an täglich neu mit dem SARS-COV-19 Virus infizierten Personen. Seit Wochen ist die Lage sehr ernst. Dies können viele nicht wahrnehmen, die nicht direkt betroffen sind. Die Situation hat sich nun innerhalb der letzten zwei Wochen nochmals massiv verschärft. Nicht nur die Plätze auf den Intensivstationen, sondern auch die Bettenbelegung mit am Coronavirus erkrankten Menschen auf den Covid-Stationen sind seit Wochen gefüllt.

Innerhalb der letzten rund 10 Tage hat sich das Corona-Virus auch massivst in den Langzeitpflegeinstitutionen im Kanton Aargau breit gemacht. Vielerorts müssen Pflegeheime einen unkontrollierbaren Ausbruch mit entsprechend fatalen Folgen, emotionalen Schicksalen und Selbstbetroffenheit meistern. Wie den Medien der letzten Tage zu entnehmen war, trifft dies sogar schweizweit zu.

Gerade in der Langzeitpflege ist die körperliche Nähe zwischen Pflegefachpersonen resp. Betreuenden und Bewohnenden viel näher und intensiver. Dazu kommt, dass insbesondere verwirrte und demente Menschen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen können, womit sich das Personal einem hohen potentiellen Ansteckungsrisiko aussetzt. Und leider trifft dies auch ein. In den letzten Tagen haben sich z.B. in unserem Pflegeheim über 1/3 des Personals mit dem Corona-Virus angesteckt. Ähnliches höre ich von Berufskolleginnen und -kollegen aus anderen Institutionen.

Ärzte, Pflegepersonal und alle Mitarbeitenden im Gesundheitswesen leisten ausserordentliches, und dies seit langer Zeit. Personalausfälle in grösserem Masse sind ebenfalls seit Wochen durch das bestehende Personal zu kompensieren. Ohne die Bereitschaft zur Erbringung von teils massiven Mehrleistungen, den Verzicht auf Familie und Freizeit und die notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Institutionen sowie auch die Bereitschaft, die persönliche Gesundheit in den Hintergrund zu stellen, wäre das Gesundheitswesen im Kanton Aargau schon längst kollabiert. Wir brauchen das Personal aller Disziplinen im Gesundheitswesen heute und in Zukunft.

Geschätzte Damen und Herren, Spitäler, Pflegeheime und weitere Gesundheitsinstitutionen befinden sich in einer noch nie dagewesenen Krise. Zunehmende Ausfälle beim Personal, physische sowie psychische Überbelastung aufgrund von Übermüdung und emotionalen, tragischen Erlebnissen, also sprich der Personalmangel sind die kritischen und entscheidenden Herausforderungen. Nicht primär die bestehenden und teilweise erweiterbaren medizinischen Infrastrukturen. Fakt ist, dass weitere Ausfälle beim Personal dazu führen, dass die vorhandenen infrastrukturellen Kapazitäten nicht mehr vollumfänglich genutzt werden können, weil schlicht und einfach das dafür notwendige Personal fehlt.

Der Verband der Aargauischen Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen VAKA hat in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau unlängst eine Sensibilisierungskampagne lanciert. Mit den Slogans „Danke, dass Sie an Weihnachten Geschenke und keine Viren verteilen“ sowie „Wir sehen, was Covid-19 anrichtet. Bewahren Sie uns vor dem Kollaps“ wird die Bevölkerung aufgerufen, Selbstverantwortung zu übernehmen.

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, seien Sie Vorbild und helfen Sie mit Ihrem Verhalten mit, dass alle im Gesundheitswesen arbeitenden Menschen sich auch von Ihnen wertgeschätzt und getragen fühlen.

Die CVP-Fraktion dankt dem Gesundheitspersonal von Herzen für die unglaubliche, alles andere als selbstverständliche Leistung, welche seit Monaten erbracht wird. Wir unterstützen die Massnahmen zur Eindämmung der Ansteckungsrate und hoffen, dass sich die Lage schnellstmöglich entschärft. Den Gesundheitsinstitutionen sowie dem gesamten Personal wünschen wir weiterhin viel Kraft und die notwendige Ausdauer. Ohne deren riesigen Einsatz werden wir die Krise nicht bewältigen können. Sie alle verdienen unseren höchsten Respekt, unsere Achtung, unsere Unterstützung und unseren herzlichsten Dank.

Im Namen der CVP-Fraktion
Grossrat René Huber